Die Geschichte des Städtischen
Abendgymnasiums Kiel :
Im Jahr 2005 feierte das Abendgymnasium
Kiel ein Jubiläum: das 75jährige Bestehen dieser Einrichtung des
zweiten Bildungsweges. Mit dem Schuljahr 2002/2003 verlor die Schule zwar ihre
Selbstständigkeit, sie wurde als eigenständige Abteilung an die
Berufliche Schule am Ravensberg angeschlossen, aber damit ist gesichert, dass
Berufstätige weiterhin die Möglichkeit haben, die Fachhochschulreife
oder das Abitur zu erlangen.
Dass es im Laufe der Zeit immer wieder Veränderungen und Schwierigkeiten
bezüglich des Schulbetriebes gegeben hat, soll im Folgenden die Geschichte
des Abendgymnasiums zeigen.
Die Gründung des Abendgymnasiums erfolgte aufgrund einer persönlichen
Initiative. Der Dentist Reese und der städtische Beamte Grumann übernahmen im April 1930 die
Federführung, um die private "Höhere Abendschule" zu
gründen. Schon im Herbst desselben Jahres begann der Unterricht, der in
der Handelsschule am Knooper Weg (jetzt Stadtwerke)
stattfand. Das Schulgeld betrug RM 15,- pro Monat. Ab Ostern 1931 wurde in der
Oberrealschule I, später Hebbelschule, in der Waitzstraße unterrichtet. RM 20,- mussten pro Monat
als Schulgeld entrichtet werden. Der erste Schulleiter war Herr Professor Beese, Lehrer an der Oberrealschule I. Mit sieben Kollegen
bestritt er den Unterricht in den Fächern Deutsch, Geschichte, Mathematik,
Mathematische Physik, Englisch, Erdkunde, Französisch, Biologie und
Chemie.
Schon drei Jahre, nachdem in Berlin das erste private Abendgymnasium nach
amerikanischem Beispiel eingerichtet worden war, folgte Kiel diesem Vorbild. In
einem Artikel zur Eröffnung des Berliner Abendgymnasiums am 1. September
1927 heißt es zu den Zielen: " Den Bildungsdrang, das
Lernbedürfnis junger und auch älterer Berliner, die tagsüber ihr
Brot erarbeiten müssen, zu einem festen Ziele hinzuführen: dem
Abiturium und dessen Chancen für ein Studium oder eine Verbesserung der
beruflichen Aussichten.
Das Abendgymnasium wird von der Obertertia bis zur Oberprima führen,
schließt sich also direkt an die Volksschule an und ist daher sozial von
großer Bedeutsamkeit."
Aus diesen Ausführungen wird deutlich, dass es nicht nur um die
Vermittlung von Wissen und Methoden ging, sondern, dass ein wichtiger Aspekt
demokratischen Lebens verwirklicht wird: der der Chancengleichheit!
Im Herbst 1933 wurde der erste Kieler Abiturientenjahrgang geprüft. Ostern
1934 verließen vier Abiturienten die "Höhere Abendschule";
darunter war Herr Wilhelm Kramer, der die oben aufgeführten Informationen
1974 an Dr. Etzler gab, der Schulleiter des
Abendgymnasiums von 1973 bis 1988 war. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939
wurde die Schule geschlossen.1946 wurde die private Abendoberschule auf
Anregung von Frau Stadtschulrätin Toni Jensen und in Zusammenarbeit mit
der Landesverwaltung erneut ins Leben gerufen. Im Antrag auf Genehmigung zur
Weiterführung der "Höheren Abendschule" vom 13. Mai 1946
wird mitgeteilt, dass sich 17 Lehrkräfte bereit gefunden hätten, um
den Unterricht von 19.00 bis 21.30 Uhr durchzuführen. Die Stadt Kiel habe
dafür kostenlos Räume in der Admiral-Graf-Spee-Schule
(heute Humboldt-Schule) zur Verfügung gestellt. Finanzielle
Unterstützung erhielt die Schule wegen der wirtschaftlichen Notlage der
Stadt nicht, sie musste sich über das Schulgeld selbst finanzieren.
Eröffnet wurde die private "Höhere Abendschule" am 20.
August 1946, am 31. August wurde der Unterricht an dem ersten Abendgymnasium in
Schleswig-Holstein aufgenommen.
In seinem Bericht vom 7. September 1946 erläuterte Oberstudiendirektor
Seifert die Organisation des Unterrichts. Der wurde in fünf Klassen
erteilt, von der Obertertia (9.Klasse) bis zur Oberprima (13.Klasse). Nach
einigen Abgängen innerhalb der ersten acht Tage besuchten 105 Schüler
(davon 18 weibliche) den Unterricht. Neben dem Abitur konnten Schüler auch
die Mittlere Reife erlangen. Wegen des Krieges waren die Lerngruppen sehr
inhomogen, was Bildungsvoraussetzungen und Alter anging. Das Abitur musste als
"Fremdenreifeprüfung" abgelegt werden. Die Durchfallquote lag
bei 50 Prozent.
Die Schülerzahlen wuchsen in den folgenden zwei Jahren stetig an; die
Währungsreform 1948 hatte zur Folge, dass sich die Zahl der Schüler
ungefähr halbierte. In den Jahren danach gelang es nur unter
größten Schwierigkeiten, die Existenz der Abendschule
sicherzustellen. Danach stiegen die Schülerzahlen wieder an.
Mit Wirkung vom 1. April 1963 übernahm die Stadt Kiel die
Trägerschaft; das "Städtische Abendgymnasium Kiel" erhielt
neue Räume in der Schule am Ravensberg. An die Stelle von Aufnahmeprüfungen
trat ein Vorkurs, den Schüler mit Mittlerer Reife und ehemalige
Gymnasiasten ein halbes und Schüler mit Volksschulabschluss ein ganzes
Jahr absolvieren mussten. Aufnahme war im August und im Februar. Die Mittlere
Reife konnte am Abendgymnasium nicht mehr erlangt werden.1973 übernahm
Oberstudiendirektor Dr. Gerwin Etzler die
Schulleitung von Oberstudiendirektor Ernst Lange, der 1953 Nachfolger von
Oberstudiendirektor Seifert geworden war.1977 wurde auch am Abendgymnasium Kiel
die Studienstufe eingeführt. Von 1988 bis Januar 2000 war Dr. Hans Jacobs
Schulleiter. Der stellvertretende Schulleiter Lutz Liewert leitete die Schule
von 2000 bis 2002. Dann wurde das Abendgymnasium eine Abteilung des "Ravenbergs". Im Jahre 2011 fusionierte die Berufliche
Schule am Ravensberg mit der Ludwig-Ehrhardt-Schule.
Beide bilden nun das RBZ-Wirtschaft.Kiel, in dem das
Kieler Abendgymnasium eine Abteilung ist. Das Abendgymnasium wird von Lutz
Liewert geleitet, das RBZ Wirtschaft wird von Wulf Wersig
geleitet.